Verhaltenstherapie für Hunde – ein salopp genutztes Wort
- info5714539
- 5. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Verhaltenstherapie in der Hundewelt klingt professionell und lässt vor allem einen akademischen Hintergrund vermuten, denn geläufig ist uns dieser Begriff im Zusammenhang mit einer Hilfeleistung zur Problembewältigung für Menschen – und hier liegt man mit seiner Vermutung richtig. Die Durchführung dieser Hilfeleistung wird klassischerweise von psychologischen Psychotherapeuten oder aber ärztlichen Psychotherapeuten angeboten.
Verhaltenstherapie –
ein Begriff aus dem humanen Bereich
Ein wesentlicher Teil des Studiums oder der psychotherapeutischen Weiterbildung für Ärzte ist die Führung des Patientengesprächs, eine besondere Form der Gesprächsführung zwischen Therapeut:innen und Patient:innen – die zentrale Arbeit und kein "kleiner" Nebenaspekt. Vorgehensweisen werden darin erklärt und mögliche Optionen aufgezeigt. Ein Widerstand von Seiten des Patienten wird ernst genommen und besprochen.
Ein wichtiger Satz aus der Praxis lautet:
"Der Widerstand gehört dem Patienten - nicht dem Therapeuten."
Alle Ängste und Schutzmechanismen werden gemeinsam angeschaut und besprochen. Die Zusammenarbeit basieren auf Freiwilligkeit und Mitentscheidung.
Warum der Begriff im Hundetraining problematisch ist
Dem Wort Verhaltenstherapie im Hundetraining zu begegnen, klingt verheißungsvoll. Erhofft man sich doch hinter diesem Begriff eine Kompetenz, die aus dem menschlichen Zusammenhang bekannt ist. Der Begriff ist – wenn man die vorangeganenen Abläufe reflektiert – im Hundetraining jedoch nicht angemessen. Wir können den Hund weder befragen noch über Ziele, Vorgehen oder Hintergründe informieren.
Ohne die grundlegenden Ablaufschritte der Aufklärung, Mitentscheidung und Zustimmung gibt es keine Therapie. Therapeuten wissen das.
Verhalten beschreiben - ohne zu interpretieren
Verhaltensberatung in Hinblick auf das Hundetraining spricht die Hundehalterinnen und Halter an. Es wird die Bezugsperson befragt, die schildert, was ihr persönlich aufgefallen ist.
Erfahrungsgemäß stimmen diese Beschreibungen nicht immer mit dem tatsächlichen Verhalten überein. Das Wort Verhalten in seiner Definition, ist die Gesamtheit aller beobachtbaren und messbaren Handlungen und nicht das, was man sich einfallen lässt, um diese zu verstehen. Zudem ist die Beschreibung von Verhalten wertfrei.
Die Interpretation eines Verhaltens – sich zu erklären, warum der Hund etwas tut – begegnet mir häufig im Rahmen meiner Tätigkeit. Das ist menschlich. Verhalten wird beschrieben, mit der Annahme, was der Hund damit bezwecken will. Es ist verständlich, dass Menschen auf diese Weise das Problem mit Ihren Hunde einordnen möchten. Menschen möchten verstehen warum ihr Hund sich komisch oder ungewünscht verhält. Es ist der Versuch, selbst eine Erklärung zu finden, die aus dem Verhalten der menschlichen Welt abgeleitet wird.
Mit diesen Vorstellungen kommt man leider in der Regel nicht sehr weit. Nutzt man nun die Bezeichung Verhaltenstherapie in korrekter Weise, müsste der Hund befragt werden und das ist nicht möglich. Ich bezeichne mich beispielsweise Verhaltensberaterin, denn ich berate die Besitzer:innen. Auch ich arbeite mit einem Fragenkatalog, dieser unterscheidet sich jedoch grundlegend von dem der Verhaltenstherapie.
Wenn Begriffe falsch verwendet werden
Es gibt im Tiertraining sogar Menschen, die den Begriff Verhaltenstherapie regelrecht missbrauchen und ihn mit "Gewaltausübung" am Tier verwechseln. Im Humanbereich würde man niemals eine Verhaltenstherapie finden, in der mit Machtmissbrauch und Strafe gearbeitet wird, bis keine Angst mehr vorhanden ist. Welch ein Paradox. Oder aber so lange irgendwo hingezerrt uned fixiert werden, bis keine Aggressionen mehr vorhanden sind. Welch ein Wahnsinn. Kein Mensch ginge ein zweites Mal zu einer Beratungsstelle mit derart beängstigen Methoden.
Die Grenze der Möglichkeiten
Hunde müssen.
Sie müssen alles mit sich machen lassen, ob sie einverstanden sind oder nicht. Sie werden nicht gefragt, weil man sie nicht befragen kann.
Und hier grenzt sich ganz deutlich ab, dass dieses Wort "Verhaltenstherapie"- auf Hunde nicht übertragen werden kann – egal ob mit positiver Mitarbeit trainiert wird oder nicht. Sie können einen Hund nicht um sein Einverständnis bitten und sich mit ihm austauschen wie mit einem Menschen im Rahmen einer Verhaltenstherapie.
Es gibt professionelle Verhaltensberater:innen für Hunde, die sehr gute Erfoge im Training mit problematischem Verhalten erzielen und dabei ganz bewusst keinen Therapieanspruch nutzen – das möchte ich an dieser Stelle betonen.
Was gutes Hundetraining ausmacht
Professionelles Verhaltenstraining für Hunde nutzt die Prinzipien der Lerntheorie, um Verhalten nachvollziehbar, gewaltfrei und beziehungsreicher zu verändern – mit Respekt vor den Grenzen des Tieres.
Sehen Sie es daher ernüchternd, wenn Se über Verhaltenstherpie bei Hunden lesen. Verhaltensthrapie ist ein salopp genutztes Wort, mti sehr viel Hoffnung im Gepäck. Ein Wort welches im Hundetraining Einzug gehalten hat, jedoch seine wahre Bestimmung dort nicht finden kann.


