Liebe zum Hund – was bedeutet das eigentlich ?
- info5714539
- 6. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Für mich persönlich sind Hunde ein Anker, eine wichtige Kindheitserinnerung. Sie vermitteln mir innere Ruhe, Entspannung und gute Gefühle oft schon beim bloßen Anblick. Sie tun mir gut, ohne etwas zu müssen. Aber kann ich deshalb von Liebe sprechen? Ich bin mir nicht sicher, denn Liebe führt das passiv entstehende Gefühl über sich hinaus in eine Handlungsbereitschaft.
Der Hund wiederum wird mir Liebe niemals in gleicher Form bestätigen können. Oder bilden wir Menschen uns hundliche Liebe ein, indem wir unsere eigenen Erwartungen hinterlegen, Verhalten entsprechend deuten?
Macht man sich auf die Suche nach Definitionen und fasst diese zusammen, so ist Liebe ein Zustand intensiver Gefühle die sich aus mehreren Erlebnisebenen zusammensetzen. Dieses Gefühl entsteht durch biologische und neurologische, messbare Prozesse, die wir als emotionale Verbundenheit erleben.
Zugleich zeigt sich Liebe im aktiven Handeln – in der bewussten Entscheidung, einem anderen Lebewesen uneigennützig, fürsorglich und respektvoll zu begegnen.
Und nun, inwieweit ist diese Bezeichnung in unserer Beziehung zum Hund passend, und was bedeutet sie für unseren Umgang mit ihm?
Sozial Media gibt preis: Menschen schreiben über Liebe, wenn sie von ihren Hunden berichten. Manchmal ist es kurios zu lesen, wenn daneben ein Bild eines offensichtlich gestressten Hundes erscheint. Liebe kann also auch eine sehr einseitige Interpretation sein.
Warum leben wir mit Hunden ?
Gründe warum wir Hunde haben sind so vielfältig, was vermuten lässt, Liebe könnte in der Beziehung zum Hund ganz unterschiedlich aussehen – oder manchmal gar nicht der Grund sein, das Leben mit einem Vierbeiner zu teilen.
"Ich wollte doch schon immer einen Hund haben."
Wir hatten früher in meiner Kindheit auch immer einen Hund."
"Ich finde Hunde toll, da ist man nie allein."
"Als ich zum ersten Mal einen Berger Picard im Kino gesehen habe, war es um mich geschehen."
Unsere Hunde heißen immer Rex – dann muss man sich nicht jedes Mal an einen neuen Namen gewöhnen."
"Als unser Hund starb fühlte es sich an wie das Ende der Welt."
Hinter all diesen Sätzen stecken unterschiedliche Gefühle, Bedürfnisse und Beweggründe. Sie erzählen zunächst einmal etwas über unser eigenes Erleben.
Nicht allein sein wollen.
Einen Freund haben.
Genau diese Rasse besitzen.
Kindheitserinnerungen wiederfinden.
Zweckmäßiger Einsatz.
Trost suchen.
Keins dieser Motive ist verwerflich. Genau so ist keins davon automatisch Liebe. Sie erzählen zunächst etwas über uns Menschen und noch wenig darüber, wie unsere Beziehung zum Hund final tatsächlich aussieht.
Gefühl oder gelebte Beziehung ?
Nun können wir uns fragen: Was bedeutet Liebe, wenn das gegenüber ein Hund ist – gewählt aus Gründen, die zunächst vielleicht mehr mit unseren eigenen Bedürfnissen, als mit dem fühlenden Lebewesen vor uns zu tun hat.
Was bedeutet Liebe für unser Handeln ?
Viele Menschen mit denen ich im Laufe der Jahre ausgetauscht habe und die strafbasiertes Training anwenden, sprechen von aufrichtiger Zuneigung für ihren Hund.
Gleichzeitig wenden sie Methoden an, die auf Angst und Schmerzen beruhen.
Einige davon vermutlich nicht, weil sie ihrem Hund bewusst schaden wollen, sondern weil sie irgendwann einmal gelernt haben, dass Erziehung so funktioniert.
Deshalb formuliere ich die eigentliche Frage anders.
Nicht: „Liebst du deinen Hund?“
Sondern: „Was bedeutet Liebe in Bezug auf dein Handeln, für deinen Umgang mit deinem Hund?“
Von den eigenen Werten auszugehen und sie auf andere zu übertragen, zu glauben, dass es ganz klar und offenkundig sein müsste das ein Hund aus reiner Freude an dem andersartigen Lebewesen, den Weg in die Familie findet, greift vermutlich zu kurz.
Vielleicht ist der Wunsch, ein Tier zu besitzen, sich an seinem Anblick zu erfreuen oder sich durch seine Anwesenheit sicherer oder selbstbewusster zu fühlen ebenfalls ein Grund. Oder vielleicht auch ein ganz anderer.
Es ist eine spannende Frage, mit welchem Gefühl wir unseren Hunden tatsächlich begegnen. Was bewirkt ihre Anwesenheit bei uns? Fühlen wir uns beschützt oder erst vollständig mit unserem vierbeinigen Freund ?
Wie zeigt sich Liebe?
Vielleicht ist die Art, wie wir unsere Hunde erziehen, weniger ein Frage der Liebe als eine Frage unseres Verständnisses von Beziehung.
Das ist manchmal unbequem zu hinterfragen.
Liebe zeigt sich nicht alleinig in starken Gefühlen. Liebe – auch zu einem Hund – zeigt sich darin, wie wir handeln, mit ihm umgehen. Ob wir Sicherheit geben, statt Angst zu erzeugen. Ob wir bereit sind, unser eigenes Verhalten zu hinterfragen.
Liebe und Freundschaft, selbst zu einem Hund, sind niemals auf Angst oder das Machtgefälle zweier Lebewesen angewiesen.


